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Was sollte ich vor einer Existenzgründung wissen?

Hierzu aktuell ein Auszug aus einem Spiegel-Online Artikel (13.01.2008):

WAGNIS SELBSTSTÄNDIGKEIT

"Im besten Fall erfolgt der Schritt in die Selbständigkeit, wenn man schon Berufserfahrung gesammelt, ein finanzielles Polster und vor allem auch ein Netzwerk aufgebaut hat", stimmt Hohlheimer zu. Sie rät dazu, sich zunächst umfassend zu informieren und auch betriebswirtschaftliches Know-how zu erwerben.

Auch die Konkurrenzsituation sollte analysiert werden. "Masseure etwa haben derzeit extrem hohe Chancen, im Wettbewerb zu bestehen, weil das Gesundheitsbewusstsein boomt", sagt Markus Kuhlmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB) in Berlin. Ein frisch gebackener Rechtsanwalt hätte seiner Einschätzung nach dagegen Schwierigkeiten angesichts einer Juristenschwemme - gerade in Städten wie Berlin, in denen Großkanzleien den Markt beherrschten.

Zu klären sei, ob es sich um eine freiberufliche oder gewerbliche Selbständigkeit handelt, sagt der BFB-Geschäftsführer. Zum einen seien Behördengänge erforderlich, zum anderen gebe es auch steuerrechtliche Auswirkungen: Freiberufler müssten keine Gewerbesteuer zahlen, statt einer richtigen Buchhaltung nur eine Einnahmenüberschussrechnung abgeben und seien nicht Pflichtmitglied in einer Kammer.

Anschließend sollte ein Businessplan erarbeitet werden, sagt Irene Hohlheimer vom IFB. "Das dient dazu, sich mit allen Facetten der Idee auseinanderzusetzen und das eigene Ziel klar zu formulieren." Dabei erkenne man dann auch Lücken bei den eigenen Kompetenzen und habe noch die Möglichkeit, daran zu arbeiten. Wenn sich an diesem Punkt herausstellt, dass die Gründungsidee doch nicht trägt, sei noch kein gröerer Schaden entstanden.

Wer sich selbständig machen will, ist gut beraten, das eigene Naturell zu überprüfen. Erste Anhaltspunkte geben Online-Tests, zum Beispiel auf der Gründerseite des Bundeswirtschaftsministeriums. So lässt sich Hohlheimer zufolge herausfinden, ob man über Unternehmerqualitäten verfügt oder diese entwickeln kann. Der Gedanke daran mag viele Gründungswillige nicht schrecken.

Etwas anderes dagegen schon, da sind sich die Experten und Praktiker einig: "Wer nicht mit finanziellen Unsicherheiten leben kann, sollte sich den Schritt wirklich gut berlegen", sagt Kathleen Weise. Sie müsse Rechnungen oft hinterher telefonieren, Mahnungen schreiben, ihr Geld regelrecht eintreiben.

Michael Wehran macht auf einen weiteren Punkt aufmerksam: "Ein vermeintlich hohes Honorar darf nicht dazu verführen, von einem hohen Einkommen auszugehen." Davon abzuziehen seien alle Abgaben wie Kammerbeiträge und Kosten etwa für Büromaterialien oder Versicherungen.

Neben bürokratischen Hürden sei die soziale Absicherung die größte Sorge der Freien. Denn einige Risiken lassen sich kaum abfangen: Zwar können Selbstständige, die zuvor Arbeitnehmer waren, inzwischen eine Arbeitslosenversicherung freiwillig beantragen. Die Krankenversicherung muss dagegen jeder selbst tragen. Verhindert eine Erkrankung das Arbeiten, macht sich das sofort als Verdienstausfall bemerkbar. Lektorin Weise kennt das alles. "Aber ich möchte nicht mehr in eine Festanstellung", sagt sie. Die Freiheit, ihre eigene Chefin zu sein, ist ihr wichtiger.

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